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Rakokásano
ist ein zusammengesetztes Wort.
Der erste Teil kommt von 'Raki', das ist das türkische Wort für destillierten Alkohol.
Der zweite Teil kommt von 'Kasani', das ist das griechische Wort für einen großen Kochtopf.
Beides zusammen bedeutet also 'Schnapskessel' oder 'Branntweinkocherei'.
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Ein richtiger kretischer Rakokásano ist aber noch mehr.
Es ist ein kleiner Betrieb, in dem die Weinernte aus der nächsten Umgebung verarbeitet wird.
Die beiden wichtigsten Einrichtungen sind eine Kelter und eine Destille.
Dazu kommen Maschinen zum Pressen der Trauben und Filtern der Flüssigkeiten.
Fast alle Landwirte in der Nachbarschaft haben u.a. ein paar eigene Weinstöcke, und sie bringen ihre Trauben zum Keltern hierher.
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Der Rakokásano von Nektarios Mathioudakis, den wir hier vorstellen, ist typisch kretisch.
Die Weinkelter ist ein kleines Gebäude aus Beton, ebenso die Destille, in die die Feuerstelle und der Kessel eingearbeitet sind.
Außerdem gibt es einen Tisch, ein paar Stühle und einen Holzkohlengrill.
Messer, Gabeln, Plastikbecher und eine große Rolle Küchenpapier sind ebenfalls vorhanden.
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Auf
Kreta
erfüllen das Keltern des Weines und das Brennen des Schnapses nämlich seit alters her auch eine wichtige soziale Funktion.
Man bringt ein paar Souvlaki-Spieße und Lammkoteletts mit sowie frisches Weißbrot, und in den Holzkohlengrill kommt einfach eine Schaufel Glut aus der Feuerstelle unter dem Kessel.
Dann setzt man sich zusammen, während die Kelter und die Destille ihre Arbeit tun.
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Nach guter kretischer Sitte sind Besucher ebenfalls stets willkommen.
Und da die nächsten Ferienhäuser und Hotels nicht weit weg sind, trifft man bei Nektarios' Rakokásano immer öfter auch Urlauber an, die Bratwürste aus dem nächsten LIDL-Markt bei sich haben.
Das Betongebäude hat zwar den Charme einer Bahnhofswartehalle, aber trotzdem kommt sehr bald gemütliche Stimmung auf.
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Denn alle Anwesenden müssen bei der Beurteilung des Weines und des frischen Raki mithelfen.
Aber Achtung: Ein Rakokásano ist keine Taverna!
Es gibt deshalb z.B. auch kein Gäste-WC.
Man kann hier Wein und Raki aus Nektarios' eigener Produktion kaufen, und man kann bei der Herstellung zusehen und kosten.
Der Holzkohlengrill wird nur deshalb bereitgestellt, weil das Verkosten von Alkohol auf leeren Magen ungesund ist.
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Die Weinlese beginnt Mitte August.
Dann nimmt auch die Kelter ihren Dienst auf.
Raki wird von Ende August bis Mitte November gebrannt.
Der Ankauf von Wein und Raki aus Nektarios' eigener Produktion ist hingegen ganzjährig möglich.
Der Rakokásano liegt an einem Feldweg zwischen
Stavromenos
und
Skaleta,
ungefähr auf halbem Weg zwischen den
Stavromenos-Villen
und den
Gerolakos-Villen.
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Die Familie Mathioudakis ist schon seit mehreren Jahrhunderten im Raum Stavromenos ansässig.
Heute ist sie dementsprechend groß, und es gibt gleich mehrere Familienmitglieder, die Nektarios heißen.
Wenn Sie den Rakokásano suchen, dann können sie auch nach dem 'Kissanós' fragen:
Vor langer Zeit hat einmal jemand aus dem Dorf Kissos (zwischen
Spili
und Akoumia) in diesen Zweig der Mathioudakis-Familie eingeheiratet, und seitdem gibt es diesen Beinamen.
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Text: Ingo H. Dietrich
Fotos: Matthias Konopka & Ingo H. Dietrich
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